In vielen kleinen und mittleren Unternehmen kommt das Internet direkt über den Router des Providers ins Büro, und weil „der Router eine Firewall hat“, wird kein zusätzliches Sicherheitsgerät eingesetzt. Wo aber Computer, Server, Kameras und Gästegeräte im selben Netz hängen und Mitarbeitende sich von außen verbinden, reicht das nicht. Dieser Beitrag erklärt, worauf ein KMU bei der Auswahl einer Firewall achten sollte.
Warum reicht die Router-Firewall nicht?
Die Basis-Firewall des Routers blockiert unerwünschte eingehende Verbindungen, prüft aber den ausgehenden Verkehr nicht auf Anwendungsebene, sperrt keine schädlichen Websites oder bekannten Angriffsmuster, erlaubt keine Netzsegmente mit Regeln dazwischen und führt keine detaillierten Protokolle. Eine Business-Firewall bündelt all das an einer Stelle.
6 Kriterien für die Auswahl
- Anzahl der Nutzer und Geräte: Nicht nur der heutige Stand, sondern der in zwei bis drei Jahren zählt.
- Reale Leistung: Der Spitzenwert im Datenblatt wird oft ohne Sicherheitsdienste gemessen. Vergleichen Sie den Wert mit aktivem Angriffsschutz, Webfilter und Virenschutz mit Ihrer Internetbandbreite.
- VPN-Bedarf: Zahl der Homeoffice-Nutzer und Filialverbindungen bestimmt die nötige VPN-Kapazität. Achten Sie auf MFA für VPN-Anmeldungen.
- Lizenzen für Sicherheitsdienste: Angriffsschutz, Webfilter, Virenschutz und Ähnliches laufen meist als Jahresabo.
- Verwaltung und Berichte: Wer die Regeln pflegt, wo und wie lange Protokolle liegen und wie verständlich Berichte sind, ist wichtig.
- Ausfallsicherheit: Wo ein Internetausfall den Betrieb stoppt, werden zwei Leitungen und bei Bedarf ein zweites Gerät für Hochverfügbarkeit geplant.
Ein allgemeiner Rahmen nach Größe
Die folgenden Grenzen sind nicht starr; sie verschieben sich mit Ihrer Anforderungsliste.
- Kleines Büro (bis etwa 25 Nutzer): Ein Desktop-UTM-Gerät, eine oder zwei Internetleitungen, Basis-VPN und Webfilter reichen oft aus.
- Mittlere Größe (etwa 25–100 Nutzer): Ein Rack-Gerät, zwei Leitungen, Regeln zwischen Büro-, Kamera- und Gästenetz, benutzerbezogenes VPN und zentrale Protokollierung.
- Mehrere Standorte oder Produktionsbetrieb: Zwei Geräte für Hochverfügbarkeit, Standort-VPN, Trennung des Produktionsnetzes (Maschinen, SPS) vom Büronetz und Weiterleitung der Protokolle an ein zentrales Monitoring (SIEM).
Lizenzen und Gesamtkosten
Die Kosten einer Firewall bestehen nicht nur aus dem Gerätepreis. Lizenzen für Sicherheitsdienste werden jährlich verlängert; bei vielen Herstellern arbeitet das Gerät nach Ablauf als Basis-Firewall weiter, doch die laufend aktualisierten Schutzdienste stoppen. Vergleichen Sie Angebote daher über mindestens drei Jahre: Gerät, Lizenzverlängerungen, Installation und Betreuung. Umfang und Einstiegspreise finden Sie im Beitrag Cybersecurity-Preise.
Häufige Fehler bei der Installation
- Eine „alles erlauben“-Regel für die Umstellung, die dauerhaft vergessen wird,
- die Verwaltungsoberfläche offen im Internet und mit dem Standard-Admin-Konto,
- nie aktualisierte Firmware,
- keine Protokolle – oder Protokolle, die niemand liest,
- VPN-Nutzer mit Zugriff auf das gesamte Netz und ohne MFA.
Vorbereitung für die richtige Wahl
Mit diesen Angaben vor der Angebotsanfrage fällt die Auswahl leichter: Liste der Nutzer und Geräte, Bandbreiten der Internetleitungen, Zahl der Homeoffice-Nutzer und Filialen, kritische Anwendungen (ERP, Buchhaltung, Cloud-Dienste) und der aktuelle Netzplan. Die Firewall ist ein Kernbaustein des Zero-Trust-Ansatzes; ihren vollen Wert entfaltet sie zusammen mit Netzsegmentierung und Authentifizierung.
Nach der Installation: die ersten 30 Tage
- Regeln werden in den ersten Wochen am realen Verkehr überprüft und zu weite Freigaben eingeschränkt.
- Für die Firmware wird ein regelmäßiges Update-Fenster festgelegt.
- Die Konfiguration wird gesichert und nach jeder wichtigen Änderung erneuert.
- Wöchentliche Berichte werden geprüft: blockierte Bedrohungen, Geräte mit dem meisten Verkehr, VPN-Sitzungen.
- Admin-Konten werden personalisiert und Admin-Anmeldungen per MFA geschützt.
Häufige Fragen
Welche Firewall-Marke empfehlen Sie?
Die Marke sollte nach Anforderungsliste, realen Leistungswerten, Lizenzkosten und lokalem Support gewählt werden. Eine Marke als die beste für jedes Unternehmen zu bezeichnen, wäre nicht richtig.
Was passiert, wenn ich die Lizenz nicht verlängere?
Bei vielen Herstellern arbeitet das Gerät als Basis-Firewall weiter, aber laufend aktualisierte Dienste wie Angriffsschutz und Webfilter fallen weg, und der Schutz wird schwächer.
Brauchen wir eine Firewall, wenn wir Cloud-Anwendungen nutzen?
Ja. Internetzugang der Bürogeräte, Verkehr zwischen Netzsegmenten und Fernzugriff laufen weiterhin über das Büronetz. Zusätzliche Maßnahmen für Cloud-Apps ergänzen diesen Schutz, ersetzen ihn aber nicht.
Um gemeinsam die richtige Größe für Ihr Unternehmen zu bestimmen, besuchen Sie unsere Seite Cybersicherheit und Zero Trust und fordern Sie ein kostenloses Angebot an.